Gemeindefeuerwehrtage
Frau Hamke erinnert sich
Frau Dohm erinnert sich
Frau Zimmer berichtet
Herr Kramer berichtet
Herr Didwißus berichtet
Frau Runge berichtet
Über Geschichte und Bewohner der Alten Schmiede










 

Uberblick Nachbarschaft [ H. Schröder ]



Die Dorfschmiede zu Liensfeld

Ältestes Foto der Schmiede um 1926 [Die Fotoqualität ist nicht zu verbessern]







          Ich, Olaf Simon, habe zu dem von mir erworbenen Haus "Alte Schmiede" bisher
          einiges recherchieren können. Schmieden sind in der Liensfelder Dorfchronik von
          1882 mehrmals erwähnt. So ist von einer Schmiede erstmalig 1831 in obiger
          Chronik, gelegen auf dem Schmiedeberg [heutige Hans-Heinrich-Sievert-
          Straße], die Rede. Mit externer Hilfe konnte ich bisher in zeitlicher Abfolge
          nachstehendes zusammenstellen:







Ära Schramm



          Unterlagen existieren zum Gewerbe des damaligen Schmieds Christian Friedrich
          Schramm, geb. 1816. Seine Ehefrau war Magdalene Schramm, eine geborene
          Dohm. Wann sie die Schmiede etablierten oder übernahmen, ist nicht dokumen-
          tiert. Das Ehepaar hatte einen Sohn namens Johann Friedrich Schramm, der wohl
          1900 gestorben ist. Dieser hatte mit seiner Ehefrau Elise Schramm, geb. Wulf,
          wiederum zwei Kinder, wovon in diesem Zusammenhang der Sohn Friedrich
          Schramm [1874 bis 1958] von Bedeutung ist, da er das Schmiedehandwerk
          erlernte und die Dorfschmiede in Liensfeld übernahm. Das Aussehen des
          Gewerks ergibt sich aus vorstehendem Foto. Ob die Eltern Schramms damals im
          Dorfe neben ihrer Profession andere Funktionen ausübten, ist ungeklärt.





Chr. F. Schramm vor 1909 F. Schramm um 1951  






          Aus der Ära von Schmied Johann Friedrich Schramm [1850 bis 1900] und seiner
          Ehefrau Elise ist wie gesagt nichts weiter überliefert. Sein Sohn Friedrich führte
          somit die Schmiede. Während seiner Zeit entstanden dann 1926 die ersten
          Fotografien des Gebäudes der Schmiede.








 

Wirtschaftsteil [1926]




 

Schmied Johs. Schramm [1926]





          Friedrich Schramm war verheiratet mit Sophie Schramm, geb. Peters [1878 bis
          1965]. Sie hatten zwei Söhne [geboren 1905 und 1913], wobei die Übernahme
          und Fortführung der Schmiede durch den ältesten usancemäßig geplant war.





          Nun kommen wir zu den zwei Söhnen, deren Schicksal oder Werdegang letztlich
          zum Ende der Ära Dorfschmiede Schramm führte. Der älteste war Johannes
          Schramm, geboren 1905; 1913 kam dann Georg. Sie gehören also zur Generation
          vom unmittelbar daneben wohnenden Hans-Heinrich Sievert. Johannes kam dann
          in eine ordentliche Schmiedeausbildung mit Meisterkurs. Jetzt kam der von Hitler
          und den Deutschen 1939 vom Zaun gebrochene Weltkrieg. Ergebnis für Familie
          Schramm: Johannes Schramm ist noch 1945 an der Front gefallen. Damit war
          sein Vater gezwungen, die Schmiede allein [weiter] zu führen. Sein zweiter Sohn
          Georg war nicht vorbereitet. Er ging in die städtische Verwaltung und war zuletzt
          Amtmann in Eutin [+ 1978].





Johs. Schramm In Ausbildung um 1920 [Hint. Reihe 3. von lks.] Johs. [auf Krad] und Georg Schramm um 1920 nebst Gehilfe [re]. [Wohl erstes Motorrad In Liensfeld]






          Friedrich Schramm trat 1951 in Ruhestand ein. Weil sein Sohn Johannes als sein
          Nachfolger nicht mehr zur Verfügung stand, verpachtete er die Schmiede und
          Wohnung, nämlich an dem qualifizierten Schmied Oswald Kramer. Schramm
          erwarb ein Haus in der Straße "Auf der Reihe", wo er mit seiner Frau dann lebte.
          Er starb 1958.





          Die Informationen habe ich weitgehend erhalten von: Christa Rau [Enkelin
          Schramm's]











Ära Kramer



          Odwald Kramer (II), Schmiedemeister aus Bujendorf, pachtete die Schmiede dann
          1947. Seine Familie betrieb die Schmiede dann bis 1951. Dazu ist anzumerken,
          dass die Kramers bereits in Bujendorf ein Schmiede-Unternehmen besaßen, wohin
          sie nach rund vier Jahren Liensfeld bevorzugten zu retirieren.





          Die Informationen habe ich weitgehend erhalten von Herrn Oswald Kramer (III),
          der seine Schmiede bzw. sein metallbearbeitendes Geschäft noch heute in
          Bujendorf betreibt. Er hat sich auch an anderer Stelle der dörflichen Webseite
          geäußert.











Ära von Burkner



          Friedrich Schramm entschloss sich 1951 nach Pachtende dann, die Schmiede
          mit Grund und Boden zu verkauft. Erwerber war der Schmiedemeister Paul
          von Burkner und seine Ehefrau Emilie, geb. Studenski. Bei ihnen handelte es
          sich um Vertriebene aus Westpreussen, die nach dem Kriege zuletzt eine
          kleine Schmiede in Schönwalde betrieben hatten.








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Foto Der Schmiede Um 1970 [Wie man sieht nach Umbauten und Modernisierung]







Paul und Emilie von Burkner 1951 [Silberne Hochzeit] Egon und Irma von Burkner um 1960 [Mit ihren Kinder Karl-Eugen und Cornelia]






          Unerwartet verstarb Paul von Burkner schon Ende 1951, so dass sein Sohn,
          Schmiedegeselle seit 1949, später Schmiedemeister, die Betriebsnachfolge
          antreten musste. Egon von Burkner hat sich anscheinend schnell in das
          dörfliche soziale Leben integriert, was ja aufgrund seines Gewerbebetriebs
          auch notwendig war. So wirkte er in der Freiwilliger Feuerwehr mit und war
          teilweise auch als Dorfvorsteher gewählt. Überkommen ist, dass er 1964
          anlässlich der Grundsteinlegung unseres Feuerwehrstationsgebäudes das
          Emblem angefertigt und gestiftet hat. Dazu hat er eine Rede gehalten, die
          maschinenumgeschrieben folgenden Inhalt hat:





1.) Meine lieben Feuerwehrleute und meine liebe Dorfschaft Liensfeld!

Heute, am 28. März 1964, geschieht hier an Ort und Stelle etwas, was in unserer materialistischen Zeit nicht alltäglich ist. Bedingt [
einerseits] durch die finanzielle Lage unser nicht so sehr bemittelten Gemeinde und andererseits aus der Notwendigkeit heraus, eine Unterstellmöglichkeit für das neue Feuerlöschfahrzeug zu schaffen, habt Ihr unter Leitung Eures Feuerwehrhauptmanns Johannes Hilger den Entschluß gefaßt, das Spritzenhaus selbst zu errichten. Der Anfang ist bereits getan, indem Ihr das Fundament für den Bau gegossen habt, von dem die Nachkommen noch erzählen mögen: „Das haben unsere Väter in uneigennütziger Weise zum Wohle und zum Schutze der Allgemeinheit gebaut, unter dem Motte: ‚Einer für Alle, Alle für Einen’“. Möge unser Herrgott dafür sorgen, dass auf diesem Grundstück ein stets einsatzbereites Fahrzeug untergestellt werden kann, dass es aber möglichst nie eingesetzt [zu] werden braucht. Geht nun mit Freude an die Vollendung des begonnenen Werkes, und stellt Euer handwerkliches und arbeitsgerechtes Können mit glücklicher Hand diesem Bau zur Verfügung, auf dass es ein gelungenes Werk werde.

Egon von Burkner
[Schmiedemeister]
Ortsvorsteher


Liensfeld, d. 28. März 1964


2.) In diesem Sinne setze ich den Grundstein. Hierbei assistiert der Maurerpolier Hermann Horstmann. Eine Originalschrift der Ansprache habe ich in einer kleinen Flasche im linken Eckstein eingemauert. Ich muß bemerken, dass ich zum ersten Mal einen Grundstein gesetzt habe. Mir wurde sicherlich der größte zur Zeit verfügbare Hammer zur Verfügung gestellt, sicher um meinem Berufstand eine Ehre zu erweisen. Der Polier registrierte meine zehn auf den Stein gesetzte Schläge und tat sie öffentlich kund. Worauf er mir andeutete, dass es zehn ‚Kornflaschen’ wären. Eine davon habe ich an Ort und Stelle prompt zur Verfügung gestellt. .....




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          Um 1975 ist er im Übrigen interviewt worden, wie sich die Schmiede, da
          doch kaum Pferde mehr zu beschlagen sind, fortführen lässt, wo doch
          wohl mehr Metallarbeiten [Stellage, Ackerschlepper] anfallen. Dieses
          Interview ist der Einfachheit halber beigefügt:





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          Im Grundsatz zeichnete sich aber im Verlaufe der Zeit ab, dass sich die
          Dorfschmiede in Liensfeld auf Dauer nicht mehr amortisiert. Eine
          etablierte kleine Ladenstelle brachte auch nicht genügend ein. Wie
          bereits unter anderem in der Webseite zur Chronik dargelegt, gaben
          viele Gewerbe im [zu] kleinen Liensfeld auf. So letztlich nach dem Tode
          Egon von Burkners 1993 auch seine Familie, die dann fortzog.







          Die Informationen habe ich weitgehend erhalten von: Cornelia Degener
          [Tochter von Burkner's]













Weiterer Fortgang








          Als Eigentümer traten nach meinen Kenntnissen und Unterlagen dann
          mehre Besitzer auf, die die Schmiede natürlich nicht fortsetzten, sondern
          den Gebäudekomplex zum Teil abrissen, umbauten, aufstockten und
          modernisierten, um dort Wohnungen zu schaffen. Auch hierzu kann ich
          nach weiterer Recherche folgendes berichten:





          ► Erster Versuch: Herr Karl-Heinz Schmüth, unmittelbarer Grundstücks-
          nachbar der Schmiede, Bauunternehmer, kaufte sie 1993 und begann mit
          dem Abrisse und Umbau des Gebäudekomplexes. Absicht war die
          Errichtung eines Mehrfamilienhauses. Er konnte das Vorhaben mit den
          erheblichen Investitionen aber letztlich nicht stemmen. Er ist 1998
          verstorben.





          ► Nächster Versuch: 1998 erwarb die Grebe-Kompositbau-Gmbh aus
          Bad Malente das nur teilweise umgebaute Gebäude. Man setzte alles
          daran, das Bauvorhaben fertigzustellen. Die vier Einheiten sollten dann
          als Eigentumswohnungen weiter- vermarktet werden. Ab 2000 brach
          der Immobilienmarkt aber partiell ein, woraufhin dazu übergegangen
          wurde, die Wohnungen auf alle Fälle zu vermieten.














Heute





          Das Gebäude ist heutzutage letztlich in meinem Familieneigentum gelangt.
          Siehe dazu meinen Webseitenteil Simon "Ich über uns" . Fotos einschließlich
          Luftbild zum früheren und heutigen Zustand befinden sich zu Genüge an
          verschiedener Stellen der dörflichen Homepage.





Draufsicht Gesamtkomplex 2009 





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