Gemeindefeuerwehrtage
Frau Hamke erinnert sich
Frau Dohm erinnert sich
Frau Zimmer berichtet
Herr Kramer berichtet
Herr Didwißus berichtet
Frau Runge berichtet
Dazu Interviewtexte, Grafiken, Fotos, Videostream

 



 





Interview vom o8.o4.2oo8

Interview Auszüge O. Simon mit M. Dohm [2008]








 

Ensemble heute [Laden und Meierei] [ © H. Schröder]



Ab 1894 in Liensfeld

Gebäudeensemble im ursprünglichen Zustand vor 1913 [Fahrradgruppe sind die Steffens mit einer früh verstorbene Tochter. Rechts mit Geschäftsbedienstete steht "Klein" Karlchen]





GERNE BERICHTE ICH IHNEN ETWAS MIT SCHWERPUNKT VON VATERS GESCHÄFT IN LIENSFELD:








 

Grosshandel 1909 [Textilien]




 

Adolf Steffen 1944 [50-jähriges Geschäftsjubiläum]





Meine Eltern waren Karl Steffen und seine Ehefrau Minna, geb. Bebeniss. Vater ist 1969, Mutter, die zu Ende noch 2 Jahre bei mir in Klenzau gewohnt hat, ist 1990 gestorben. Den Gemischtwarenladen nebst Gastwirtschaft in Liensfeld haben die Großeltern Adolf und Elise Steffen am 01.03.1894 erworben. Ich hatte noch einen Bruder namens Adolf, der aber zu Kriegsende leider als Soldat gefallen ist. Ich bin also der einzige Nachkomme. Ich habe 1952 den Bauern Hans Dohm zu Klenzau geheiratet, wo ich dann in der Landwirtschaft bis Übergang aufs Altenteil mit tätig war. Ich habe zwei Töchter und inzwischen Enkelkinder. Doch weiter zu Liensfeld: Wirtschaftliche Grundlage der Familie war also ein altes Kolonialwarengeschäft mit einer kleinen Gaststube namens „De ol Liensfelder Krog“. Nach mehrfachen unbefriedigenden Umbauten erfolgte 1913 unter Beibehaltung von alten Bauteilen ein Geschäftsneubau. Da Großvaters ältester Sohn im 1. Weltkrieg als Soldat gefallen ist, übernahm sein zweiter Sohn, mein Vater Karl, 1936 das Geschäft. Leider ist auch mein Bruder – wie schon gesagt - mit 19 Jahren im 2. Weltkrieg an der Front gefallen. Innen im Haus war das so: Rechts war das Geschäft, links die Schankstube. In der Mitte der Flur, von dem man auch in den hinteren großen Festsaal nebst Kegelbahn im Keller gelangte. Sanitäres und Küche dazwischen. Die Kellerräume waren nach einzelnen Warengruppen belegt. Unsere ursprüngliche Küche wurde für die Bekleidungsware geopfert. Wohnbereich hauptsächlich oben. Zugang zum Haus in erster Linie von vorn linke Treppe. Im Festsaal fanden Feuerwehrball, Kinderfeste, Weihnachtsfeiern, Jagdabschlussfeiern statt. Wegen Wassermangels mussten wir bei Festlichkeiten manchmal Wasser über Schlauchleitung aus der Meierei zusätzlich herbeischaffen. Es war ein Podium vorhanden, auf der eine Kapelle aufspielen konnte. [leider besitze ich keine Fotos vom Hausinneren]. Vater beschäftige ebenfalls Personal. Um die Einnahmen aus dem Geschäft abzusichern, wurde auch über Land gefahren. Dazu waren kleine Bücher eingerichtet, in die die Kunden ihre Bestellung eintrugen. Es wurde auch telefonisch bestellt. Die Kunden konnten manchmal anschreiben. Soweit ich weiß, haben sie auch immer – vielleicht in Teilbeträgen – bezahlt. Essen muss man ja immer wieder? Es ging, wenn man heute so darüber nachdenkt, über geringe Summen. Aber, es stimmt, die Leute haben ja auch wenig verdient. Die Bestellungen wurden dann abgepackt und mit unserem Wagen per Anhänger ausgefahren, wie nach Klenzau, Majenfelde usw. Am meisten war zum Kriegsende und gleich danach zu tun. Ein ausgebombter Hamburger Bierkutscher nahm 1942 bis etwa 1950 die meisten Zustellfahrten wahr. Also zur Kriegszeit: Die Ware gab es nur auf Bezugsmarken bzw. –schein. Dadurch wurden die „Außer Haus“- Lieferungen kaum noch erforderlich. Der Bierkutscher [s. u.] fuhr auch zum Großhandel nach Lübeck. Vater musste mit den Bezugsmarken eine Art Buchführung einrichten. Auch die Milch aus der Meierei wurde über Marken ausgegeben, die zuvor bei Vater bezahlt wurden, und danach wieder bei ihm landeten. Die gesammelten Markenhaufen mussten säuberlich aufgeklebt werden und gingen dann monatlich an die Gemeindeverwaltung. Was die wohl damit gemacht haben? Montags waren neue Waren da, dann war immer der größte Ansturm. Unter der Hand gab’s zu der Zeit nichts zu haben. Ich erinnere, dass vieles vertrieben wurde, ekliger Fisch usw., nur dass die Leute etwas zu essen hatten.





Schule

Karl Steffen 1906
[2. Reihe v. li. 2. Kind]


[Anmerkung: Da Lehrer Pries am 01.10.1908 laut Dorfchronik den Schuldienst quittierte, müsste er es sein, der auf dem Foto mit abgebildet ist. Laut Chronik gab es erst ab 1914 einen zweiten Lehrer]
Margarete Dohm 1936
[1. Reihe v. li. 6. Kind sitzend]
und Hans Dohm
[Mittl. Reihe v. re. 1. Kind]  






Ich war etwa 9 als der Krieg ausbrach. Auf dem Dorfe lief alles so weiter wie bisher. Später ging’s dann los mit den Gefallenen. Vater hatte eine Liste gemacht, ich glaube, es sind über 20 Männer nicht zurückgekommen [kurze Diskussion wer und Verweis auf die Dorfchronik]. Es stimmt, nahe Liensfeld sind auf einer Flur, ich glaube auf einer Koppel von Bauer Klees, drei Bomben gefallen; unsere Schulklasse ist noch dahin gelaufen und hat die Bombentrichter bestaunt [Anmerkung O. Simon: Am 29.07.1940 sind 4 Sprengbomben-Abwürfe in Liensfeld dokumentiert. Siehe: Bombenabwuerfe.bereich.bosau.pdf [67 KB] ]. Auf der heutigen Straße „Im Dorfe“ waren im Übrigen Laufgräben gegraben, wohl damit wir Kinder bei Fliegerangriff geschützt nach Hause gelangen konnten. Solch Angriff fand nie statt. Weiter: Wir hatten 1942/1943 zuerst zu Hause 9 ausgebombte Hamburger aufgenommen. Einer – der Bierkutscher [s. o.] - blieb sehr lange bei uns. Beim Hamburger Brandsturm ist sogar unsere Freiwillige Feuerwehr nach dort in mehrmaligem Einsatz gekommen. Mein Vater war dabei. Kam dreckig und erschüttert zurück. Er war solange ich denken kann bei der Feuerwehr Liensfeld. Dass die Evakuierten hierher kamen, hatte wohl damit zu tun, dass hier an der Straße „Auf der Reihe“ irgendwelche Verwandten von denen wohnten. Später kam auch ein ausgebombtes Ehepaar aus Kiel zu uns. Unterbringungen bei uns in den verschiedenen Räumen des Hauses, auch im Saal. In der Waschküche haben sie gekocht. Saaldekoration und Saalmobiliar verwandten die Flüchtlinge zum Abteilen ihrer Wohnecken. Ein großer Ofen in der Mitte. Während dieser Zeit sind in dem Saale zwei gestorben und es wurden zwei Kinder geboren. Die Flüchtlinge waren zumeist nett, haben uns geholfen, eine hat gleich für uns gekocht. Vater war während des Krieges nebenbei eine Art Schriftführer in Oldenburg im Zusammenhang mit dem Kauf von Pferden für das Militär. Ziemlich gegen Kriegsende wurde er dann doch noch gezogen und kam nach Polen. Von dort stammen die einzigen Fotos von ihm in Uniform.







Ich bin 1929 in Liensfeld geboren. Die Eltern hatten wegen ihrer Arbeit, tags das Geschäft, abends die Gastwirtschaft, kaum Zeit für uns Kinder. Ein „normales“ Familienleben habe ich insofern nicht gehabt, weil dafür keine Zeit war. Erst später, als ich in Lübeck kurz in einer Stellung war, habe ich wahrgenommen, wie ein innigeres Familienleben, wo die Eltern mehr Zeit für die Kinder haben, sein kann. Dass ich Papas Liebling war, ist gleichwohl klar! Schularbeiten mussten wir in der Gaststube machen. Auch wenn dort etwas Besonderes war. Ich musste z. B. – worüber jetzt sogar Gesetze gemacht werden – den Qualm der Raucher über mich ergehen lassen und lebe immer noch. Früher haben alle geraucht, und wie! Die Skatbrüder hätten sonst was gesagt, wenn neben ihren Biergläsern keine Aschenbecher mehr da gewesen wären. Ich habe allerdings nie geraucht. Über die politischen Zeitumstände habe ich mir keine Gedanken gemacht, ob etwas richtig oder falsch wäre. Es ist durchaus denkbar, dass andere Älteren noch weiteres berichten können und ähnliche Unterlagen von früher haben wie ich z. B. die Postkarten, man muss sie nur ausfindig machen? Wie z. B. das Haus, wo Bussmann drinnen wohnt: Wie sie sagen, gibt es Fotos von 1956; die Fotografen haben oft keinen direkten Auftrag erhalten, sondern haben nur einfach so geknipst. Die Fotografen sind angefahren gekommen und haben dann einfach mal einige Fotos von Liensfeld gemacht und fertig. Ausnahme vielleicht Vaters Aufträge fürs Geschäft?







1936 bin ich in Liensfeld zur Schule gekommen. Bei den Jungmädeln bin ich noch gewesen. Heute Morgen habe ich noch darüber nachgedacht, was wir dort eigentlich gemacht haben. Direkte Propaganda erinnere ich eigentlich nicht. Es gab das Jungmädchenzeug wie weiße Bluse etc. Die alte Frau Evers müsste eigentlich auch noch viel wissen; sie ist bereits im Altenheim. Sie ist wohl die älteste Liensfelderin [92?], die es z. Zt. noch gibt? Was ich noch in Erinnerung habe ist der Tod des Kindes aus dem Dorf. Ein lieber kleiner blonder Junge, der ich glaube in 1940 in einem der Dorfteiche ertrunken ist. Eine Frau Schmal, die auch noch viel von früher wusste, ist leider vor nicht allzu langer Zeit verstorben. Mord und Todschlag in Liensfeld erinnere ich ansonsten nicht.







Am Kriegsende war ich in Lehrwirtschaft in Hassendorf. Als Schluss war, hat mich mein Vater von dort abgeholt. Das war in dieser Übergangszeit nicht ganz ungefährlich, wir sind zu Fuß über Schleichwege nach Liensfeld zurück. Man sah brennende Geschütze, Soldaten, die was verbrannten, hier war ja Kampflinie. Am nächsten Tag in Liensfeld kamen die Engländer und die deutschen [entwaffneten] Soldaten sammelten sich vor unserem Haus; wo sie dann verblieben sind, weiß ich gar nicht. Es war alles sehr wie selbstverständlich, und man war ja auch zu jung, um das Geschehen voll aufzunehmen. Ich bin dann zurück nach Hassendorf. Dann kam ich eines nächsten Tages per Fahrrad zurück, und – oh, das war ja ein Wunder -, alles war abends erleuchtet. Bis dahin war doch immer Verdunkelung vorgeschrieben. Ich dachte, was ist denn nun los? Am Krug war alles hell erleuchtet. Am 01.6.1945 wurden wir aus unserem Hause dann ausquartiert. Die Engländer übernahmen. Das Ladengeschäft blieb aber geöffnet. Die Eltern sind nebenan bei einer Familie Timm untergekommen. Alle kamen irgendwie unter, Großvater lebte ja noch und kam zu seiner früh verstorbenen Tochter nach Kiekbusch. Im August konnten die Eltern dann zurück ins Haus ziehen.







Im Krug

   
  Karl Steffen 1955
[Mit Mitarbeiterin Christa
Mielke am Tresen]  
 







 

Wechsel




 

Wanda Wienken Ende 1975 [Anlässlich der Schließung des Krugs]





Inline

Zurück

Hochzeit Heinrich Witt mit Christa Willert im Krug in 1960 (mit servierend Frau Wienken, rechts)

Weiter







Zu 1959 gab Vater seine berufliche Tätigkeit auf. Im Laden und insbesondere in der Gaststätte habe ich zwar nicht so gerne mitgearbeitet, aber ich musste doch mittun. Ich hatte aber nicht die Absicht, das Geschäft weiterzuführen. Vater hat auch nicht darauf gedrängt. Nach einem ersten zum Glück frühzeitig feststellbaren Missgriff übernahm dann das Ehepaar Heinz Wiencken Laden und Gaststätte auf Leibrente, während meine Eltern die daneben stehende Meierei, die inzwischen stillgelegt war und Vater vorausschauend bereits 1955 gekauft hatte, als Altenteil umbauten und bezogen. Die maschinelle Einrichtung gehörte ja den Bauern und wurde wohl versteigert. In dem Gebäude war auch zuvor bereits Wohnraum, z. B. für den Meieristen, vorhanden. Die Wiencken gaben später die Geschäftseinheiten ganz auf. In Eutin hatte der erste Familia-Markt eröffnet. Das große Haus wurde verkauft. Nach einigem Leerstand wurde es 1975 schon wieder veräußert. Es sind letztlich jetzt mehrere Wohnungen eingebaut. Nach Vaters Tod hat Mutter in Liensfeld noch einige Jahre allein in ihrer Wohnung im Meiereigebäude gewohnt, dann haben wir das Gebäude aber doch verkauft. Mutter war wie gesagt dann bei mir in Klenzau.







[ I. v. ]









Margarete Dohm berichtet



[ ~ 1,5 Min. ]






DEN BEZUG ZU LIENSFELD, JETZT UND EIGENTLICH SCHON SEIT DAMALS, HABE ICH NATÜRLICH STARK VERLOREN, NACHDEM ICH HEIRATETE UND SICH DER LEBENSMITTELPUNKT NACH KLENZAU VERSCHOB.





[8]



Zurück



Druckbare Version / Printable version

www.dorfgemeinschaft-liensfeld.de